Einige Gedanken zu Warnhinweisen

Seit dem 1. Januar 2010 sollen uns auf Zigarettenschachteln gedruckte Bilder von geschädigten Lungen, Raucherbeinen und faulenden Zähnen vor den Gefahren des Rauchens warnen. Mit dem erklärten Ziel, durch Abschreckung den Tabakkonsum und die Nikotinabhängigkeit zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.

Ein lobenswertes Unterfangen. Immerhin sterben laut WHO weltweit fast fünf Millionen Menschen jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. Wenn der Trend anhält, bis 2020 sogar zehn Millionen.

Doch gut gemeint ist wie wir gleich sehen werden nicht zwingend gut gemacht. Die üblen Bilder könnten gar das Gegenteil der hehren Absichten bewirken.

Erwarteter Effekt: Abschreckung

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verweist als Mitverfasser der WHO-Tabakkonvention auf internationale Studien und das Tabakmonitoring des Bundes. Bei einer Befragung in Südafrika sollen 58 Prozent der Rauchenden angegeben haben, durch Warnhinweise motiviert zu werden, das Rauchen zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Zudem sei der Anteil der Rauchenden in der Schweiz, welche die Warnungen «immer» oder «häufig» beachten, von 27 Prozent auf 38 Prozent gestiegen.

Für ein Bundesamt mit Zugang zu unzähigen internationalen Studien sind dies doch ziemlich dürftige Fakten von zudem zweifelhafter Aussagekraft.

Wie jeder jemals zur Zigarettenabstinenz entschlossene weiss, liegt zwischen einem gutem Vorsatz und dem Schritt zur Umsetzung weit mehr als eine einfache Willensbekundung. Zudem werden Warnhinweise aktiv unterlaufen, weil der Raucher sich nicht mit den plakativen Konsequenzen seines Tuns auseinandersetzen mag. Die gesteigerte Beachtung führt beim Zigikauf lediglich zu Verhandlungen über das harmloseste Bild auf der Packung und zu einer erhöhten Nachfrage nach neutralen Zigarettenetuis.

Der erwünschte Effekt verpufft wirkungslos. Doch das ist – so absurd es klingen mag – wahrscheinlich gut so.

Unerwartete Nebeneffekte: Sucht und Krankheit

Im Jahr 2004 initiierte der Branding- und Marketing-Fachmann Martin Lindstrom eine breit angelegte, internationalen Studie über die Wirkung von Marketing auf das menschliche Gehirn. In seinem Buch «Buyology. Warum wir kaufen, was wir kaufen» beschreibt er einige erstaunliche, mittels fMRT ermittelte Zusammenhänge von Botschaften und deren Wirkung auf unser Unterbewusstsein. Einer davon sollte die Verantwortlichen beim BAG aufhorchen lassen.

In einer Teilstudie konfrontierte er die Testpersonen mit den bekannten Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen. Doch statt Ekel oder Furcht auszulösen, regten die Bilder im Gehirn der Probanden den Nucleus accumbens, das Suchtzentrum, an. Den Teil des Gehirns, der unbezwingbares Verlangen nach Alkohol, Drogen, Sex anzeigt…

Doch es braucht nicht einmal umfassende Studien, um an der Wirksamkeit der Warnhinweise zu zweifeln. Oder schlimmeres zu befürchten.

Jeder Arzt oder Apotheker kann uns etwas über den Placebo-Effekt erzählen. Verabreicht man einem Patienten ein Präparat ohne Wirkstoff, stellt sich oft eine positive Veränderung des subjektiven Befindens und von objektiv messbaren körperlichen Funktionen ein. Das Selbe gilt – unter umgekehrten Vorzeichen – für den Nocebo-Effekt.

So weit, so schlecht also die Erfolgsaussichten. Doch damit nicht genug. Die durch die Bilder ausgelöste Lust auf Zigaretten und die Angst vor den drastisch vor Augen geführten Krankheiten dürften sich gegenseitig noch verstärken.

Grund genug, noch einmal über die Bücher zu gehen.

Falls Sie der Meinung sind, dass es etwas zu einfach wäre, den Beitrag an dieser Stelle zu beschliessen, haben Sie recht. Schliesslich liegt es auch in der Verantwortung jedes einzelnen, sich um seine Gesundheit zu sorgen. Deshalb zum Abschluss ein Tipp, für den Fall, dass Sie ernsthaft mit dem Gedanken spielen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Nutzen Sie die Verlustaversion

Bitten Sie einen Freund, ein Konto anzulegen, auf das Sie das Geld für die nicht gerauchten Zigaretten einzahlen. Wenn Sie bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt nicht rückfällig wurden, können Sie sich Ihr Erspartes auszahlen lassen. Wenn nicht, wird das Geld an einen gemeinnützigen Verein ausbezahlt. Oder noch besser, an eine Partei oder einen Verein, dem Sie niemals freiwillig etwas spenden würden. Dazu raten zumindest Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein in ihrem Buch «Nudge»

Lassen Sie mich wissen, wie es ausgegangen ist.

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Autor:
Datum: Mittwoch, 29. Dezember 2010 19:59
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