Beiträge vom 2. Juni 2010

Die Bank als Gotteshaus

Mittwoch, 2. Juni 2010 9:59

Seit Beginn der Finanzkrise wird in den spärlichen Stellungnahmen der Führungsspitzen stets betont, dass im eigenen Finanzhaus jedes Geschäft unter streng rationalen Gesichtspunkten und Prüfung sämtlicher verfügbaren Daten getätigt wurde und wird. Von Akteuren im hochkomplexen Finanzsektor sollte man auch nichts anderes erwarten, als rationales Denken und Handeln.

Die Vorstellung, dass Mitarbeiter solcher Finanzinstitute sich in organisierten Bibelgruppen zum «Gebetskreis in einem Sitzungszimmer [treffen], um für aktuelle Probleme der Firma, des Management sowie von Mitarbeitern zu beten» dürfte denn auch manch einen mehr als nur nachdenklich stimmen.

Was ist davon zu halten, wenn in einer vorbereiteten Checkliste für die Gründung eines Firmen-Gebetskreises «Weil ich mich von Gott gerufen weiss» oder «Weil ich mir wünsche, dass Kollegen zum Glauben finden» als Motivationsgründe aufgelistet werden? Welche Konsequenzen hat dieser forcierte Einzug des Glaubens in die Finanzwelt und für die Verantwortlichkeit des Einzelnen, wenn letztlich alles Gottes Wille ist?

Jeder soll in einer freien Gesellschaft seinen Glauben ausüben können. Aber die Frage, ob ein Finanzhaus der richtige Ort für das Gebet zu einem handelnden Gott ist, muss erlaubt sein. Vor allem, wenn das betreffende Institut als systemrelevant eingestuft und dadurch im Notfall durch eine Staatsintervention – also letztlich durch die Gesellschaft – geschützt wird.

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Thema: Gesellschaft, Mensch, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: