Tag-Archiv für » Arbeitslosenkasse «

Arbeitsmarkt April 2011

Freitag, 6. Mai 2011 14:47

Die neuen Arbeitslosenzahlen des SECO sind da. Und wie fast immer in den vorangegangenen Monaten, lassen sie den einen oder anderen Nicht-Rechner noch optimistischer in die Zukunft schauen.

Nichts neues aus Bundesbern

Die positiven Meldungen aus der SECO Pressedokumentation klingen heute so: Ende April 2011 waren 11’457 Arbeitslose weniger bei den RAV eingeschrieben, als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank damit von 3,4% im März 2011 auf 3,1% im Berichtsmonat. Das ist der tiefste Wert seit Jahren. Was aber wie im März erwähnt in erster Linie mit den bis zu 16.000 Ausgesteuerten zu tun haben dürfte.

Weiter heisst es: Gegenüber dem Vorjahresmonat verringerte sich die Arbeitslosigkeit um 35’122 Personen (-22,1%). Nicht schlecht. Satte 22,1 Prozent. Was jedoch wie im Februar besprochen unter anderem mit den überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenzahlen Anfang 2010 zu tun hat.

An dieser Stelle sei mir eine kurze Randnotiz erlaubt. Wäre die offizielle Arbeitslosenzahl seit letztem Monat unverändert geblieben, hätte sie sich gegenüber dem Vorjahresmonat dennoch um 23.665 Personen verringert. Das wäre dann immerhin noch ein beachtliches Minus von 14,9%. Oder anders ausgedrückt: Hätten sich im April 2011 23.665 Menschen – also ein dickes, reales Plus von 17,5% im Vergleich zum März 2011 – neu bei den RAV angemeldet, wäre die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat rechnerisch stabil geblieben.

Aber was sehen meine müden Augen?

Für einmal gibt es auch erfreuliches zu berichten. In der offiziellen Zusammenfassung werden die positiven Zahlen ein wenig relativiert: «Neben konjunkturellen und saisonalen Komponenten wirkten sich im April zusätzlich auch Effekte aus dem Inkrafttreten der AVIG-Revision aus. Wir schätzen den Effekt der Änderungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz auf den Arbeitslosenbestand im April auf rund 4‘500 Personen.»

Da steht doch tatsächlich – wenn auch etwas verschleiert – an prominenter Stelle ein Wort zu den Ausgesteuerten im offiziellen SECO-Dokument. Immerhin. Ein Anfang ist gemacht.

Noch ein Wunder?

Erfreuliches geschieht auch im Online-Blätterwald. Einige Journalisten haben bemerkt, dass die Pressedokumentation weit mehr Informationen hergibt, als die kurze und damit ungenaue Zusammenfassung. Plötzlich erscheinen die Ausgesteuerten auch in der Berichterstattung einiger Medien im Rampenlicht.

Wobei die Änderung des Blickwinkels auch aus anderen Gründen erfolgen könnte. So verspricht beispielsweise die Schlagzeile «Statistik-Trick drückt Arbeitslosenquote» (nach der zweiten Aktualisierung des Textes nun «Leistungskürzung drückt Arbeitslosenquote») mehr Skandälchen. Und damit mehr Traffic.

Doch dazu demnächst mehr.

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Arbeitsmarkt Februar 2011

Dienstag, 8. März 2011 23:57

Wie immer Anfang Monat hat das SECO heute die monatlichen aktuellen Arbeitslosenzahlen publiziert. Und wie kürzlich versprochen, wollen wir uns diese auch heute wieder ein bisschen näher anschauen. Zur Abwechslung anhand der Schlagzeilen zweier grösserer Schweizer Zeitungen.

Der Tagesanzeiger berichtet

Arbeitslosenquote erneut stark gesunken
Die Arbeitslosenquote in der Schweiz ist im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,2 Prozent auf 3,6 Prozent gesunken.

Die NZZ meint dazu

Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich stark
Arbeitslosenquote in der Schweiz im Februar auf noch 3,6 Prozent gesunken.

Der positive Trend setzt sich also offenbar fort. Und diesmal sinkt die Arbeitslosenquote sogar um fantastische 17,2 Prozent auf nur noch 3,6 Prozent.

17,2 Prozent / 3,6 Prozent / 0,2 Prozent

Vielleicht sollten wir uns an dieser Stelle vor Augen führen, was es mit den verschiedenen genannten Prozentzahlen auf sich hat. Um dies zu veranschaulichen hat sich der Autor wieder mal die Zeit genommen, die offiziellen Zahlen der letzten zwei Jahre zusammenzutragen und daraus zwei aussagekräftige Grafiken zu erstellen.

Zunächst aber einige Worte zu den veröffentlichten Zahlen.

Ende Januar 2011 waren 148.784 Personen als Stellensuchend gemeldet. Einen Monat später waren es noch 143.325 Personen. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen sank damit innerhalb eines Monats in absoluten Zahlen um 5.459 Personen.

Im Verhältnis zu der Zahl der Erwerbspersonen ausgedrückt lag die Arbeitslosenquote* Ende Januar 2011 bei 3,8%. Bis Ende Februar sank die Quote auf 3,6%. Die Anzahl der registrierten Arbeitslosen sank also binnen Monatsfrist um insgesamt 0,2 Prozentpunkte.

Diese 0,2 Prozentpunkte lassen sich natürlich auch anders darstellen. Auch ein bisschen beeindruckender, ohne dabei den Inhalt zu ändern. Zum Beispiel indem die Reduktion der Arbeitslosenzahlen im Februar 2011 relativ zu den Zahlen vom Januar 2011 angegeben wird. Also 5.459 (148.784 – 143.325) geteilt durch 148.784. Daraus ergibt sich ein schon ziemlich beachtlicher Rückgang der Arbeitslosenquote um 3,66 Prozent.

Aber auch diese 3,66 Prozent lassen sich noch übertreffen, wenn man die relative Reduktion der Arbeitslosenzahlen in einen anderen, etwas vorteilhafteren Zeitrahmen erfasst. Zum Beispiel vom Vorjahresmonat zu heute. Dies ist im aktuellen Fall besonders ergiebig, da die Arbeitslosenquote vor genau einem Jahr, im Februar 2010, fast auf ihrem höchsten Punkt stand.

Auf den Vorjahreswert bezogen ergibt die Differenz zwischen den Arbeitslosenzahlen von 172.999 (4,4%) beim Höchststand 2010 und von 143.325 (3,6%) heute eine beachtliche Zahl von 29.674. (Statt nur 5459 seit letztem Monat.) Auf diese Art bricht die Arbeitslosenquote geradezu um schlagzeilentaugliche 17,2 Prozent ein. Auch ohne Wirtschaftswunder.

Kein Trend in Sicht

Man wird als Leser solcher Zahlenwerte regelrecht dazu verführt, einen steil abfallenden Kurvenverlauf zu sehen. Allein: Das Bild ist, wie wir anhand von Grafik 1 sehen können, schlicht falsch.

Grafik 1: Offizielle Arbeitslosenzahlen von Januar 2009 bis Februar 2011. Die Arbeitslosenquote sinkt im Zeitraum von Februar 2010 bis 2011 um 17,2 Prozent.

Grafik 1 zeigt die offiziellen Arbeitslosenzahlen von Januar 2009 bis Februar 2011. Die Kurve steigt bis Januar 2010 kontinuierlich an und beginnt dann ähnlich flach wieder zu sinken. Dieses langsame absinken bis heute zeichnet die 17,2 Prozent nach. Also nix mit steilem Abfall der Kurve im letzten Monat.

Kommt dazu, dass die Differenz zum Vorjahresmonat nichts über den aktuellen Trend aussagt. Trotz einem Minus von fast 20 Prozent kann die Arbeitslosenquote mehr oder weniger konstant bleiben oder sogar ansteigen. Sehen wir uns dazu Grafik 2 an, bei der die Werte zwischen März 2010 und Januar 2011 durch fiktive – aber mögliche – Zahlen ersetzt wurden.

Grafik 2: Offizielle Arbeitslosenzahlen von Januar 2009 Februar 2011. Allerdings mit einem fiktiven Rückgang bis im November 2010. Trotz steilem Anstieg der Arbeitslosenzahlen sinkt auch hier die Quote im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,2 Prozent.

Nehmen wir an, die Arbeitslosigkeit bewegte sich nach dem (tatsächlichen) Höchststand im Jan/Feb 2010 bis beispielsweise November 2010 auf ein historisches Tief von 0,6 Prozent und stieg danach explosionsartig wieder auf die aktuellen (realen) 3,6% an. Dies würde eine Verschlechterung der Situation um Faktor sechs in einem Vierteljahr bedeuten. Und trotzdem könnte man heute mit gutem Gewissen von einem Rückgang zum Vorjahresmonat um 17,2 % sprechen.

Welche Bedeutung haben nun also all diese veröffentlichten Prozentangaben für das Verständnis der aktuellen Lage? Und vor allem, was können uns die inzwischen lieb gewonnenen 17,2% noch sagen? Ohne Kontext eigentlich nur zwei Dinge.

  1. Lass dir kein X für ein U vormachen.
  2. Sei auf der Hxt.

Eines sei zum Schluss trotzdem noch gesagt. Wie es aussieht erholt sich die Lage im Moment tatsächlich ein bisschen.

* Die Arbeitslosenquote errechnet man, indem die Zahl der registrierten Arbeitslosen am Stichtag durch die Zahl der Erwerbspersonen (gemäss Eidgenössischer Volkszählung seit 1. Januar 2000: 3,946,988 Personen) geteilt wird.

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Thema: Arbeitsmarkt, Gesellschaft, Politik, Schweiz | Kommentare (0) | Autor:

Lieblingszitat des Tages – Aussteuerung

Dienstag, 8. Februar 2011 20:21

«In der Tat dürften etwa 16’000 Personen von der Revision des Arbeitslosen-Versicherungs-Gesetzes betroffen sein. Das heisst, sie könnten am 1. April ihre Ansprüche verlieren. Die Arbeitslosenkassen haben jetzt diese Personen informiert im Januar, damit sie alles daran setzen, vor dem 1. April eine Stelle zu finden. Vielen sollte das gelingen, zumal etwa 30 bis 40 Prozent dieser Betroffenen Jugendliche sind. Wir hoffen also, dass es nicht zu so vielen Aussteuerungen kommt.»

Serge Gaillard, Direktor für Arbeit Seco am 8. Februar 2011 in der Tagesschau.

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Thema: Politik, Schweiz, Wirtschaft, Zitate | Kommentare (0) | Autor:

Arbeitsmarkt Januar 2011

Dienstag, 8. Februar 2011 10:53

Das SECO vermeldet gerade wieder mal Gutes: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist stabil.

Ole Ole.

Gemäss den Erhebungen waren «Ende Januar 2011 148’784 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben» Nur «148 mehr als im Vormonat.» Die Arbeitslosenquote verharrte also bei 3,8% im Berichtsmonat. Ein Grund zum Feiern.

Auch die Zeitungen frohlocken: Der Arbeitsmarkt bleibt mit 3,8% Arbeitslosigkeit in robuster Verfassung. Wie gesagt: Ole Ole. Und wie in einem älteren Beitrag berichtet: Ohje Ohje. Denn nach wie vor werden die unangenehmeren Zahlen auf dem offiziellen SECO-Dokument auf die hinteren Seiten verbannt.

Um den Faktor 12 geschönt

«1’773 Ausgesteuerte (57% der 3110 im November Ausgesteuerten) sind nicht mehr eingeschrieben [...] daher nicht erfassbar», heisst es beispielsweise auf Seite 25.

Rechnen Sie diese 1’773 also ungeniert wieder zu den nur «148 mehr» dazu. Und die in den vergangenen Monaten Herausgerechneten gleich mit. Denn diese sind nur aus der Statistik verschwunden. Besuchen können Sie die Betroffenen auf dem Sozialamt in Ihrem Dorf.

Dranbleiben

Es scheint also, die Zahlen werden auch 2011 wieder geschönt und versteckt. Und die Medienpoolschaffenden schreiben zeitsparend fleissig die Schlagzeilen der Zusammenfassung ab.

Bis sich daran etwas ändert, wird der Autor hier zu Monatsanfang selber nachrechnen.

Zum Beispiel wie heute einen Vergleich der Ausgesteuertenzahlen 2009 und 2010. Weil diese gerne mal aus der Statistik fallen. Und weil es dank der Annahme der ALV-Revision demnächst einen Schub an Ausgesteuerten geben dürfte.

Ausgesteuerte Insgesamt 09 / 10

  • Januar: 1445 / 1599
  • Februar: 1872 / 2555
  • März: 1837 / 2287
  • April: 1512 / 1765
  • Mai: 1518 / 2561
  • Juni: 1849 / 2157
  • Juli: 1648 / 1692
  • August: 1488 / 2385
  • September: 2227 / 2370
  • Oktober: 1781 / 2579
  • November: 2216 / 2534
  • Dezember: 1976 / 2104
  • Summe: 21’369 / 26’588

Ergibt ein Plus von 5219 oder +24,42% Ausgesteuerte im Jahresvergleich.

Ausgesteuerte nicht mehr erfasst 09 / 10

  • Januar: 760 / 892
  • Februar: 910 / 1344
  • März: 916 / 1188
  • April: 749 / 982
  • Mai: 788 / 1384
  • Juni: 958 / 1256
  • Juli: 952 / 1014
  • August: 844 / 1334
  • September: 1124 / 1358
  • Oktober: 949 / 1488
  • November: 1167 / 1443
  • Dezember: 1028 / 1245
  • Summe: 11’145 / 14’928

Ergibt ein Plus von 3783 oder + 33,94% nicht mehr erfasster Ausgesteuerter im Jahresvergleich.

Wollen wir den Vergleich noch um die aktuellen Zahlen aus Januarbericht ergänzen?

  • Januar 09, 10, 11 insgesamt: 1445 / 1599 / 3110
  • Januar 09, 10, 11 nicht mehr erfasst: 760 / 892 / 1773

Als kleiner Denkanstoss, wenn wir demnächst von einem massiven Rückgang der Arbeitslosigkeit lesen. Und der eine oder andere Politiker sich für diesen «Aufschwung» vom Fussvolk ausgiebig feiern lassen wird.

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Lieblingszitat des Tages – Schuldenbremse

Montag, 27. September 2010 17:36

«Nun gilt es, weitere Sozialversicherungen langfristig zu sichern. Der Fokus muss dabei auf eine ausgabenseitige Sanierung gelegt werden. Um neue Milliardendefizite zu verhindern, verlangt economiesuisse, dass die bewährte, ausgabenseitig wirkende Schuldenbremse auch auf die Sozialversicherungen angewendet wird.»

Economiesuisse am Tag der Annahme der ALV-Revision

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Gedanken zur ALV-Revision III

Sonntag, 12. September 2010 12:47

Es geistern so viele Halbwahrheiten zur anstehenden Abstimmung durch die offiziellen Parteikanäle, dass man gar nicht weiss, wo man mit kopfschütteln beginnen soll. Schauen wir uns heute die Wahrheiten derer an, die sich für einen «stärkeren Werk-, Finanz- und Forschungsplatz Schweiz» einsetzen. Und für einen bürgerfreundlicheren Staat.

«Die Liberalen setzt sich für eine gesunde Arbeitslosenversicherung ein, welche schnell, unbürokratisch und gezielt Personen hilft, die ihren Job verloren haben.»

So weit, so gut. Wenn es sein muss, wird dem unverschuldet Arbeitslosen geholfen.

«Die ALV darf aber kein Tummelbecken für Arbeitsscheue sein oder zu Arbeitslosentourismus animieren.»

Keine Unterstützung arbeitsscheuer Arbeitsloser. Den Grossteil direkter Zahlungen eingespart. Problem gelöst. Es sei denn, die meisten Erwerbslosen sind die ehrlichen Personen, denen gezielt geholfen werden soll.

Macht aber auch nichts. Wer mit der Forderung wie «Leistungsorientierung von der Grund- bis zur Hochschule» das Patentrezept gegen Wirtschaftskrisen kennt, hat noch weitere gute Argumente in der Hinterhand.

«Heute setzt die Arbeitslosenversicherung falsche Anreize. Zu lange bleiben deswegen Arbeitslose ohne Job.»

Die Welt ist grundsätzlich einfach. Wer mag, kann zum Spass auf der FDP-Homepage die Erwähnung der Forderung nach «Vereinfachung» zählen.

«Die Fairness verlangt jedoch, dass diese rasch eine zumutbare Beschäftigung annehmen.»

Und zwar jede. Ein Schelm der an die Vorteile von Niedrigstlöhnen denkt.

«Dank längeren Wartezeiten, einer stärkeren Koppelung von Beitragsdauer und Beitragszeit sowie einer kürzeren Bezugsdauer bei Jugendlichen wird dies erreicht.»

Längere Wartezeit, kürzere Bezugsdauer. Et Voilà, praktisch jeder der aktuell 142’879 bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren eingeschriebenen Arbeitslosen findet eine Stelle. Der Rest wird ausgesteuert.

Man darf sich fragen, warum sich die FDP weiterhin für einen attraktiven Standort mit tiefen Sozialabgaben und Steuern stark macht, der Unternehmen anzieht und Arbeitsplätze schafft.

«Zudem wird das unsinnige Pendeln zwischen staatlichen Beschäftigungsprogrammen und Arbeitslosenversicherung verhindert.»

Und zugleich wird – man erinnere sich an die Forderung nach «Leistungsorientierung» – das Angebot der berufliche Qualifizierung und Wiedereingliederung faktisch versenkt. Ohne Erarbeitung von Beitragszeiten werden Beschäftigungsprogramme unattraktiv. Für die Ämter.

Will sagen, wie meist bei einfachen Lösungen ist auch diese kontraproduktiv. Der eingangs genannte «Arbeitsscheue» muss bei einem «Ja» keinen Kurs mehr besuchen. Der an Kursen interessierte Lern- und Leistungswillige wird es schwieriger haben, einen bewilligt zu bekommen.

«Die Grundleistungen der ALV bleiben jedoch weiterhin gewährleistet!»

Zu Sätzen mit Ausrufezeichen habe ich mich an anderer Stelle schon geäussert.

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Thema: Gesellschaft, Politik, Schweiz | Kommentare (0) | Autor:

Gedanken zur ALV-Revision Teil II

Donnerstag, 9. September 2010 22:36

Nur noch zwei Wochen, bis wir darüber abstimmen können, wie die Schulden der Arbeitslosenversicherung in Höhe von über 7 Milliarden Franken abgebaut werden sollen.

Ahnend, dass «Schuldenabbau» igendwie mit «Sparen» in zusammenhang gebracht werden könnte, habe ich die letzten Wochen schon mal damit begonnen und die Hosenträger etwas höher geschnallt. Vielleicht kann ich ja meine persönliche Schuld gleich mit einer einzelnen Zahlung begleichen. Man müsste nur kurz ausrechnen, was das kostet. Habe ich natürlich gemacht.

Falls auch Sie gleich einen Einzahlungsschein ausfüllen möchten, hier die Zahlen.

Ende 2009 hatte die Schweiz eine ständige Wohnbevölkerung (Quelle bfs.admin) von 7.785.800. Alle davon zur Kasse zu bitten wäre wohl unfair. Deshalb nehme ich mir das Recht heraus, Kleinkinder, Schüler, Lehrlinge und Senioren zu verschonen. So bin ich. Bleibt also die Altersgruppe 20-64 Jahre (62.1%). In Zahlen gerundete 4.834.982 Personen.

Die geschuldeten 7 Mia durch die gerundeten 4.834.982 Menschen ergibt pro Kopf einen Betrag in Höhe von CHF 1447,78. Ich glaube, das kann ich mir leisten. Wären da nicht die anderen Schulden für offenbar noch viel wichtigere Staatsausgaben, die ich irgendwann auch noch löhnen muss.

Schuldenuhr Schweiz

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Thema: Gesellschaft, Politik, Schweiz | Kommentare (2) | Autor:

ALV-Sanierung auf Kosten der Arbeitslosen

Donnerstag, 13. Mai 2010 18:12

Einmal mehr zeigen die Bürgerlichen, wie man schwierige Probleme auf einfache Art löst. Auf dem Rücken der Betroffenen. Bei der geplanten Sanierung der Arbeitslosenversicherung, folgerichtig auf dem der Arbeitslosen. Mit dem schönen Nebeneffekt, gleich noch die Arbeitslosen-Statistik durch abschieben der Versicherten in «egal welchen» Job oder deren abgleiten in die Sozialhilfe schönen zu können.

Geht es nach CVP, FDP und SVP, soll bei den Arbeitslosen wie schon bei der letzten Revision 2002 durch massive Kürzungen der Bezugsdauer gespart werden. Statt 400 sollen Versicherte mit 12 Monaten Beitragszeit in Zukunft nur noch 260 Taggelder (ein Jahr) erhalten. Unter 25jährige sogar nur 200. Am liebsten würde man mit einer degressiven Kürzung der Taggeldhöhe bei Langzeitarbeitslosen auch noch einen weiteren Anreiz schaffen, sich intensiver um die Arbeitssuche zu kümmern.

Dabei wird der Arbeitslose schon heute bei jeder Gelegenheit an seine «Schadensminderungspflicht» gegenüber der Arbeitslosenversicherung erinnert. Wer sich beispielsweise nicht um eine «angemessene» und schriftlich festgehaltene Anzahl an Bewerbungen pro Monat bemüht, wird mit 1 bis 60 Einstelltagen bestraft. Das heisst, mit voll auf das Taggeldguthaben angerechneten Tagen, die aber nicht ausbezahlt werden. Dabei ist es irrelevant, ob es in diesem Monat auch wirklich genügend «zumutbare» Stellen gab. Das neue automatisierte Abrechnungs- und Kontrollsystem kennt keine Ausnahmen.

Durch solche und andere Druckmittel und Androhung von Zwangsmassnahmen bei Nichteinhaltung werden Arbeitslose dazu gezwungen, sich um alle «zumutbaren» – sprich, alle möglichen und unmöglichen – Stellen zu bewerben. Leider finde ich die Quelle nicht mehr, aber kürzlich wurden Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass eine hohe Zahl ehemaliger Arbeitsloser sich schon nach drei bis neun Monaten nach Stellenantritt erneut arbeitslos melden. Kein Wunder hat die Bürgerliche Strategie schon in den vergangenen Jahren nichts zur Entlastung der Arbeitslosenversicherung beigetragen.

Schlimmer noch. Die amtliche Fixierung auf Quantität statt Qualität der Bewerbungen hat weitreichende und vor allem kontraproduktive Auswirkungen auf die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Wie mir bekannte Personalverantwortliche bestätigen, melden sich vermehrt stellenlose, klar ungeeignete Kandidaten auf Stellenausschreibungen. Dies bedeutet zunächst einmal einen massiven Mehraufwand, die Flut an Bewerbungen nur schon zu sortieren. Stellt sich dann im Gespräch heraus, dass Bewerber sich melden mussten, vielleicht sogar weil sie eine Zuweisung durch das Arbeitsamt erhielten, wird die Angabe «Stellensuchend» im Lebenslauf früher oder später schon in der ersten Sichtungsphase zum Ausschlusskriterium. Der interessierte und fähige Bewerber ohne Anstellung wird gleich zweifaches Opfer der Arbeitsamt-Strategie.

Wenn man unbedingt sparen will, statt sinnvoll zu investieren, sollte man damit nicht bei den Taggeldern, sondern bei den unzähligen sinnlosen, aber vorgeschriebenen Kursen beginnen. Kurse, die heute jeder Arbeitslose nach einer gewissen Zeit besuchen muss. So wird zum Beispiel jeder – selbst der ausgebildete Personalberater – nach wenigen Monaten automatisch und obligatorisch zu mehrwöchigen Bewerbungstrainingskursen geschickt. Wo er lernen soll, wie man sich richtig bewirbt. Oder ein mir bekannter Schweisser nach 30 Jahren Berufserfahrung in einen Schweisskurs geschickt, um ein spezielles Schweisser-Zertifikat zu erwerben. Kurz vor der Pensionierung.

Natürlich verspricht der Rasenmäher über den Köpfen der Arbeitslosen auf den ersten Blick grössere Einsparungen. Aber die Konsequenzen werden – und tun es, wie gerade geschildert schon heute – das Gegenteil bewirken.

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